Was dir bleibt, ist die Erinnerung

22 Nov

Genauso spannend wie die Podiumsdiskussion, die den Auftakt zur Veranstaltungsreihe „Kollektive Kränkungen“ bildete, war das Symposium am Samstag in der ARGEkultur, wenn auch weitaus intensiver. Am Vormittag standen Vorträge von der Philosophin und Autorin Isolde Charim, dem Psychoanalytiker und Traumalogen Klaus Ottomeyer und dem Kriegsdienstverweigerer und Friedensaktivisten Nenad Vukosavljevic vom CNA – Centre for Nonviolent Action Sarajevo am Programm. Am Nachmittag konnte das zahlreiche Publikum aus verschiedenen Workshops wählen, um sein Wissen zu spezifischen Interessensgebieten im Kontext von „Kollektiven Kränkungen“ zu erweitern und zu vertiefen. 

Ich war in Nenad Vukosavljevics Workshop „Niemals vergessen –  endlich vergessen? Die ambivalente Rolle von Erinnerungskultur im Kontext kollektiver Kränkungen“ und habe mir seinen Vortrag „Erinnerungskrieg – Pulverfasslehren: Was verbindet politische Gewalt, kollektive Identität, kollektive Viktimisierung und Helden mit selektiven Erinnerungen.“ angehört.

Nenad ist ein serbischer Kriegsdienstverweigerer und Fotograf. Seit 1997 ist er im Centre of Nonviolent Action Sarajevo aktiv und macht Vermittlungs-und Friedensarbeit in Ex-Jugoslawien; dementsprechend ging es sowohl in seinem Workshop als auch in seinem Vortrag um die  Jugoslawienkriege in den 90ern, wie es zu den Grausamkeiten kommen konnte und um die aktuelle Gefahr einer Wiederholung. Es ging um Volksgruppen, die sich kollektiv als Opfer und daher im Recht fühl(t)en. Es ging um Unrecht und Kränkungen, die sich in das kollektive Gedächtnis aller Beteiligten eingebrannt haben. Es ging um gemeinsame Feind-und Heldenbilder, die identitätsstiftend sind und den Krieg der Erinnerungen am Leben halten. Es ging um Nenads Arbeit als Friedensaktivist und Vermittler zwischen den verhärteten Fronten und sein Bemühen, einen Raum des Dialogs und der Annäherung zu schaffen. Und es ging um die Frage, ob man als Individuum das Recht hat, sich nicht zu versöhnen. (Ja, hat man bzw. frau.)

Wer mehr über Nenads Arbeit wissen will, dem sei die Publikation „Reconciliation?! Training Handbook for Dealing with the Past“ des CNA wärmstens empfohlen, das man hier als .pdf runterladen kann (in englischer Sprache).

Zum Abschluss noch ein Satz, den Nenad zitiert hat, der mich extrem berührt hat, weil er so wahr, schön und traurig zugleich ist:  „Man hat nur so viel Seele, wie man mit seinen Feinden teilen kann.“ (Duško Trifunović)

 

Foto: Nenad Vukosavljevic © Michael Grössinger

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