Zwischen den Welten

17 Nov

Großes Kino gab es am vergangenen Freitagabend im Rahmen des heurigen Open Mind Festivals zu sehen, und zwar die preisgekrönten Dokumentationen „UNTEN“ von Djordje Cenic und „Paradies Paradies!“ von Kurdwin Ayub. Anschließend an die Filmvorführungen folgte ein Publikumgsgespräch mit den beiden RegisseurInnen, welches von dem jungen Salzburger Filmemacher Adrian Goiginger („Die bester aller Welten“) geführt wurde – ein Programm, welches das Herz eines jeden Cineasten / einer jeden Cineastin höher schlagen lässt. 

Es gibt Parallelen in den Biografien von Djordje Cenic und Kurdwin Ayub.
Beide sind in Österreich aufgewachsen und beide haben einen Migrationshintergrund. Er ist ein Kind serbischer Gastarbeiter, die in den 70ern nach Linz gekommen sind. Sie ist die Tochter zweier Kurden, die 1991 aus ihrer irakischen Heimat nach Österreich geflohen sind. Und beide setzten sich filmisch mit den unterschiedlichen Welten, in denen sie  zuhause sind, auseinander.
Bei Djordje Cenic mündet diese Auseinandersetzung in eine Reise in die Vergangenheit. Auf tragikomische Weise erzählt er die Geschichte seiner Familie, die OBEN in Linz und UNTEN in Kroatien geschrieben wurde. Tragisch wird es vor allem dann, wenn es um den blutigen Jugoslawienkrieg und die daraus resultierende Zerstörung seines Heimatdorfes geht.
In „Paradies Paradies!“ nimmt uns Kurdwin Ayub auch in ein Kriegsgebiet mit. In einer der schockierendsten Szenen finden wir uns sogar an einer der vordersten IS-Fronten im Nordirak wieder. Dazu kommt es, weil Kurdwin ihrem Vater auf seiner Reise durch sein Paradies Kurdistan auf Schritt und Tritt mit der Handkamera folgt. Diese Art der filmischen Dokumentation hat etwas sehr Authentisches, Unmittelbares, wenig Inszeniertes, Witziges und Ehrliches. Kurdwin findet eine intensive Filmsprache, der man sich als ZuseherIn kaum entziehen kann.

Beide Filme gehen unter die Haut. Sie gewähren Einblicke in fremde, zum Teil schockierende und schwer fassbare Realitäten. Absurd-Komisches trifft auf Tragisch-Erschütterndes. Und genau diese Mischung macht die beiden Filme so besonders und lässt mich mit meinen eigenen Gedanken zum „Kollektiv“ Familie zurück.

 

Foto © Wolfgang Lienbacher 

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