Österreicher integriert euch!

14 Nov

Chauvinismus ist der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Gruppe. Chauvinismus im ursprünglichen Sinn ist ein häufig aggressiver Nationalismus, bei dem sich Angehörige einer Nation aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu dieser gegenüber Menschen anderer Nationen überlegen fühlen und sie abwerten.“

Hast du dich jemals gefragt, wie viel Chauvinismus in dir steckt? Die experimentell arbeitende Wiener Theatergruppe God’s Entertainment bietet mit ihrem Chauvinismus Scanner die Möglichkeit, eine Antwort auf diese doch eher unangenehme Frage zu finden. Ich habe mich dieser gestellt und es gewagt, mich testen zu lassen. 

Ich bin schon ein bisschen aufgeregt, als ich mich dem Zelt mit der großen Österreichfahne, über der Chauvinismus Scanner geschrieben steht, nähere. Was, wenn herauskommt, dass ich im Grunde meines Herzens Chauvinistin bin und nur nach außen hin tolerant und offen tue? Obwohl ich weiß, dass es sich um ein Kunstprojekt handelt, fühle ich mich ein bisschen so, als würde ich mich einer Prüfung unterziehen, deren Ergebnis mich zu einem guten oder schlechten Menschen macht.

Der Test beginnt: eine der vier ChauvinismusexpertInnen geht mit mir einen Fragebogen durch, auf dem ich Fragen à la Was macht dich zu einer Österreicherin? beantworten muss. Es sind keine einfachen Fragen. Ich muss nachdenken und tue mir zum Teil schwer die richtigen Worte zu finden, um der Komplexität der Frage gerecht zu werden.  Es folgt eine Auflistung verschiedener in Salzburg lebender Menschengruppen, die God’s Entertainment provokant in Moslems, Juden, Ex-Jugoslawen, Zigeuner, Homosexuelle und Asiaten eingeteilt hat. Ich muss bestimmen, wie oft mir Zugehörige dieser Gruppen in meinem Alltag begegnen (nie, manchmal, oft) und woran ich diese erkenne. Abschließend werde ich noch gefragt, welche dieser Gruppen ich am wenigsten gern als NachbarInnen hätte und ob ich mich selbst als chauvinistisch einschätzen würde.

Das Ergebnis meines ersten Scans: Ich bin nicht chauvinistisch (juhuuuu!) und daher auch nicht für die weiteren Tests geeignet. Bei diesen werden einem spezielle Gerätschaften auf den Kopf gesetzt, um Hirnströme und Pupillenerweiterung zu messen, während man Fotos von Menschen oder anonymisierte Aussagen sieht. Am Ende kann ein passendes Anti-Chauvinistikum verschrieben werden. Durch dieses Forschungsprojekt werde ich unweigerlich mit meinen eigenen Vorurteilen gegenüber gewissen Gruppen konfrontiert und komme nicht darum herum, meine österreichische Identität zu hinterfragen –  nicht gerade angenehm, aber wichtig, um die Chauvinstin in mir so klein wie möglich zu halten.
Ich bin gespannt, welche Fragen das Symposium „Kollektive Kränkungen“ am kommenden Wochenende in Bezug auf diese Thematik in mir aufwerfen wird.

 

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