Creativity? Unleashed!

30 Okt

Spuren hinterlassen und mit einem Kollektiv Neues schaffen: Die Performance „Pink Tape – Yellow Tape – Black Tape – Repeat!“ beschäftigt sich beim Open Mind Festival 2017 am Toihaus Theater auf innovative Weise mit abstrakt-poetischen Interaktionen. Kleiner Vorgeschmack gefällig? Performerin Lisa Hinterreithner beantwortete uns freundlicherweise vorab bereits die Fragen, die uns (okay, mir) schon am meisten unter den Nägeln brannten. 

1 Wie entstand die Idee zu „Pink Tape – Yellow Tape – Black Tape – Repeat!“?

Über mein in letzter Zeit zunehmendes Interesse an Abstraktion und Form und der damit verbundenen Auseinandersetzung mit visuellen Mustern. Das stand ganz am Anfang der Arbeit und hat sich dann schnell mit performativen Fragestellungen verbunden. Lilo Nein und ich haben uns gefragt, wie man Muster als Entstehungs- und Verwerfungsprozesse in einer Performance thematisieren kann.

2 In der Performance scheint ja ein relativ hoher Verschleiß an den titelgebenden Klebebändern gegeben. Warum genau Klebebänder? Zufall oder konkreter Plan?

Anfangs wurde mit unterschiedlichen Materialien experimentiert wie Holz, Stoff und Plastilin. Das Klebeband hat sich aber bald als unser Favorit herauskristallisiert. Letztendlich konnte ich damit praktisch am besten arbeiten und somit wurde Klebeband nach und nach zum einzigen Spielgefährten. Die Klebeeigenschaft ist wichtig. Die „klebrige“ Eigenschaft des Materials hat mich inspiriert.

3 Pink, Gelb und Schwarz: Stehen die Farben der Inszenierung für bestimmte Stimmungen oder Gefühle?

Nicht konkret. Es geht in unserer Herangehensweise, was die Farben betrifft, aber schon auch um bestimmte „Atmosphären“, die unterschiedlichen Farben und Farbzusammenstellungen; es geht aber auch darum, die Materialbeschaffenheiten der Bänder hervorzubringen. Die endgültige Farbauswahl ist noch im Prozess. Wir ändern das auch immer wieder (noch).

4 Die kollektive Tape-Performance ist gleichzeitig sehr individuell: Ihr verwebt die Klebebänder mit dem Publikum und euch selbst. So gesehen garantiert jede Aufführung die Premiere eines neuen Stücks. Zieht ihr daraus auch noch selbst neue Botschaften und Lehren, oder ist für euch der Entwicklungs- und Lernprozess mit der letzten Probe abgeschlossen?

Ich weiß nicht genau, was du dir unter einer kollektiven Tape-Performance vorstellst, aber die Klebebänder sind das zentrale performative Element, welche alles (Performer*innen, Publikum, Raum) verbindet. Ganz entscheidend ist dabei auch die musikalische Ebene von Eise Mory, die gewissermaßen eine zweite Spur an auditiven Mustern legt. Es wird nicht so sein, dass das Publikum dauernd in ein Muster involviert wird oder agieren muss, damit ein Muster entstehen kann oder sichtbar wird. Die Verwebungen mit dem Publikum sind subtil und zart. Eher dialogisch zwischen einer Performerin und einem*r Zuseher*in. Der Entwicklungs- und Lernprozess schließt die Erfahrungen, die wir gemeinsam mit dem Publikum machen werden, unbedingt ein.

5 Wie hältst du es selbst mit Kollektiven? Bist du Freundin davon oder gehst du ihnen lieber aus dem Weg?

Ich arbeite nie nur allein, sondern sehr viel im Austausch mit anderen. Oft zu zweit oder zu dritt, manchmal kommen im Verlauf eines Arbeitsprozesses darüber hinaus noch weitere Künstler*innen dazu. Das hängt von den inhaltlichen Projektanforderungen ab, aber auch von Bedingungen. Ich persönlich finde gemeinsames Arbeiten enorm wichtig.

6 Was ist die Message von „Pink Tape – Yellow Tape – Black Tape – Repeat!“, die das Publikum am Ende der Vorstellung idealerweise mit nach Hause nehmen soll? Gibt es überhaupt eine oder ist sie der Besucher*innen-Imagination überlassen?

Eine Message im Sinne einer konkreten Aussage gibt es, glaube ich, nicht. Aber es gibt den Wunsch, ein Berührtsein bei den Zuseher*innen zu hinterlassen. Ich hoffe, durch die vielen Wiederholungen, die wir performen werden, etwas beim Publikum zu bewegen. Spuren hinterlassen zu können, die sich zwischen den performten, visualisierten und akustischen Mustern und den eigenen, inneren, persönlichen Mustern entfalten können.

7 Drei Sätze, warum man*frau sich die Performance im Toihaus keinesfalls entgehen lassen darf:

Das kann ich nicht beantworten .
Aber was ich schon spüre, ist, dass es eine sehr spezielle Setzung ist. Eine spezifische Art und Weise der Teilhabe und des Zusammenkommens zwischen Publikum und Künstlerinnen. Darauf freu ich mich auch sehr. Unbedingt sehenswert auch wegen der Live-Performerinnen Elise, Linda und Olivia.

Veranstaltungstipp: 

„Pink Tape – Yellow Tape – Black Tape – Repeat!“

Do, 16.11 & Fr, 17.11. | 20:02 Uhr | Toihaus Theater

 

Foto © Lilo Nein

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