Die beste aller Welten

11 Okt

Beim diesjährigen Open Mind Festival treffen im Rahmen eines „Familienfilmabends“ drei junge österreichische RegisseurInnen aufeinander, die sich in ihren letzten Arbeiten mit ihrer eigenen (Familien)-Geschichte auseinander gesetzt haben. Es werden die  Langfilmdebüts von Kurdwin Ayub (PARADIES! PARADIES!) und  Djordje Čenić (UNTEN) gezeigt. Das anschließende Publikumsgespräch wird vom Filmemacher Adrian Goiginger („Die beste aller Welten“) moderiert. Ich habe mir vorab „Die beste aller Welten“ angesehen und war wie so viele andere schwer beeindruckt.Im Zentrum des Filmes steht eine außergewöhnliche Mutter-Sohn-Beziehung, die des 7-jährigen Adrians (gespielt von Jeremy Miliker)  zu seiner heroinabhängigen Mutter Helga (dargestellt von Verena Altenberger). Wider Erwarten ist das Werk jedoch keine triste Schilderung einer Drogenhölle, der von einem düsteren Aufwachsen fernab von jeglicher Geborgenheit und Unbeschwertheit erzählt. Die Welt, die wir durch Adrians Augen sehen, ist eine bunte, aufregende, manchmal auch beängstigende, aber sicher keine lieblose. Denn Helga liebt ihren Sohn von ganzem Herzen und tut alles in ihrer Kraft stehende, um ihm die beste aller Welten inmitten des Salzburger Drogenmilieus zu verschaffen:  sie gehen zusammen auf Abenteuerjagd, verbringen viel Zeit draußen, brauen gemeinsam Zaubertränke und und und. Natürlich gibt es auch dunkle Momente in Adrians Kindheit, wo er der Sucht, der ihn umgebenden Erwachsenen hilflos ausgeliefert ist. Es gibt Szenen, in denen man der Mutter am liebsten „Hör auf mit dem Scheiß!“ ins Gesicht brüllen möchte, um sie wieder zur Besinnung zu bringen. Trotzdem kann man ihr als Zuseherin im geschützten Kinosaal nur bedingt Vorwürfe machen. Denn man sieht Helga an, wie viel Kraft sie die körperliche und psychische Abhängigkeit kostet, wie unerbitterlich und verzweifelt der Kampf ist, den sie in sich austrägt und wie sehr sie mit dem Heroin aufhören möchte, aber nicht kann.

Das Besondere an dem Film ist für mich, dass er Widersprüchlichkeiten nebeneinander stehen lässt und zeigt, dass Drogensucht und Mutterliebe nicht per se unvereinbar sind. Es wird keiner der Abhängigen vorgeführt und angeprangert, auch werden Drogenkonsum und seine Konsequenzen in irgendeiner Weise verherrlicht.  Man sieht einfach kaputte Menschen, die das Leben, so wie es den gesellschaftlichen Vorstellungen und Erwartungen entspricht, nicht auf die Reihe kriegen. Und man sieht eine fürsorgliche Mutter, deren Sohn ihr Ein und Alles ist.

„Die beste aller Welten“ ist ein herzerwärmender, berührender Film, der einen nicht kalt lässt, besonders dann nicht, wenn man am Ende erfährt, dass der kleine Adrian im Film zum großen Regisseur-Adrian in der realen Welt geworden ist und dieser sich seinen Kindheitstraum, ein Abenteurer zu werden, erfüllt hat.

Wer nun neugierig geworden ist und wissen möchte, wie Kurdwin Ayub und Djordje Čenić ihre Familiengschichte cineastisch dokumentieren, dem empfehle ich am 10.11. zum Open Mind Festival zu kommen und sich die preisgekrönten Filme nicht entgehen zu lassen und die RegisseurInnen persönlich kennenzulernen. So viel sei schon einmal vorab verraten: beide begeben sich auf eine spannende Identitätssuche außerhalb der österreichischen Landesgrenzen und Lebenswelten.

Veranstaltungstipp: 10.11. „PARADIES! PARADIES!“ von Kurdwin Ayub und „UNTEN“ von Djordje Čenić

Bildmontage © Verleih.Polyfilm

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