Keep your laws off my body.

20 Nov

Meine Eltern ließen sich nicht lumpen und stifteten für meine Entstehung generös ihre Erbmaterial. Das wurde nach einem relativ unergründlichen Bauplan der Natur zusammengestöpselt. Neun Monate später erblickte ich in dem Glauben, frei über diese Maßanfertigung verfügen zu können, das Licht der Welt. Ich irrte. Das scheint mit meinem weiblichen Geschlecht zusammenzuhängen. Denn wiewohl mir niemand ohne meine Zustimmung die Haare schneiden, die Nase verkleinern oder ein Bein amputieren darf (abgesehen in lebensbedrohlichen Situationen), erfährt diese herrliche, selbstbestimmte Freiheit bei meinem Uterus ein jähes Ende.

Mein Uterus gehört nur mir?! Das meint frau, bis sie auf die aktuelle Gesetzeslage stößt. Tatsächlich ist das weibliche Organ Teil des Strafgesetzesbuches. Mit ihrem Workshop „My Body, My Choice!“ wollen Pro-Choice-Aktivist*innen beim Open Mind Festival deshalb auch auf die antiquierte Gesetzeslage in Österreich aufmerksam machen. Alles begann bereits vor langer Zeit. Maria Theresia, die Regentin mit den 16 Geburten, stellte Abtreibung unter Strafe. Eine findige Methode, um die Bevölkerungszahl nach oben zu treiben; denn je mehr Menschen, desto mehr Staatspopulation und Machtzuwachs für die Monarchin. Dass Maria Theresia durch ihre Sanktionen die Abtreibung in die Illegalität verbannte, schien weniger signifikant. Doch mit dem Verbot stiegen auch die Gefahren für Frauen, da natürlich auch weiterhin Schwangerschaften vorzeitig beendet wurden. Wer es sich leisten konnte, holte sich heimlich Hilfe, wer nicht, unternahm es auf eigene Faust. Aber egal ob illegal im Verborgenen bei einem*r Engelmacher*in oder einem*r Arzt*in oder in Eigenregie mit Stricknadel und anderen fragwürdigen Methoden, das Ergebnis war oft fatal. Viele Frauen starben bei Abtreibungsversuchen oder fügten sich irreparable gesundheitliche Schäden zu. Anfang des 20. Jahrhunderts wollten die Sozialdemokraten deshalb auch die Straffreiheit erwirken. Der Nationalsozialismus zog der weiblichen Emanzipation zur selbstbestimmten Uterus-Verfügung einen neuerlichen Strich durch die Rechnung. Es galt der maria-theresianische Paragraf 144 des Strafgesetzbuches. Erst in den Jahren darauf tat sich auch wieder etwas an der Abtreibungsfront. Ein wichtiges Datum ist der 1.1.1975. Da trat die im Parlament beschlossene Fristenregelung in Kraft.

Die Fristenregelung ist eigentlich eine typisch österreichische Lösung. Paragraph 96 des Strafgesetzbuches verbietet die Abtreibung. Wer sie dennoch vornimmt oder vornehmen lässt, muss mit harschen Konsequenzen rechnen. An dieser Stelle kommt Paragraph 97 ins Spiel; der wurde kreiert, um Paragraph 96 teilweise außer Kraft zu setzen. Das heißt, in einem bestimmten Zeitraum und bei Durchführung durch einen Arzt darf ein Abbruch vorgenommen werden. Sind die 3 Monate überschritten? Dann tritt automatisch wieder Paragraph 96 in Kraft. Was sich jetzt verhältnismäßig einfach anhört, ist genau das eben nicht, wie die Pro-Choice Aktivist*innen betonen. Tatsächlich ist es sogar ein recht düsteres Bild, das sie von der österreichischen Situation skizzieren. Denn wusstest du, dass Abtreibung auf medikamentöser Basis im Prinzip nur in Wien oder Salzburg möglich ist? Und da auch nur einmal pro Monat. Für diesen Tag reist extra ein*e Arzt*Ärztin aus Wien an. Was wie eine Szene aus einem alten Film klingt, ist traurige Realität. Ebenso wie die Tatsache, dass in Tirol und Vorarlberg zur Zeit gar keine Abtreibungen möglich sind. Aktuell gibt es dort keine Praxis, die diese vornehmen würde. Das ermöglicht die Gewissensklausel. Denn konträr dazu, dass dein Blinddarm bei Turbulenzen überall entfernt werden wird, ist das bei ungewollten Schwangerschaften nicht der Fall. Ärzte*innen ist es freigestellt, eine Behandlung zu verweigern. Es sei denn, es besteht Lebensgefahr für die Schwangere.
Das Thema Schwangerschaftsabbruch ist immer noch ein gesellschaftlicher Tabu-Bereich, über den nicht öffentlich diskutiert wird.

Die Fristenlösung ist ein gelungener Schritt zur Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper. Das ist ihr ein großes Anliegen, wie die jüngsten Ereignisse aus Polen zeigen. Dort wollte eine radikale Bürgerinitiative eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes erwirken. Bereits im Frühjahr begannen deshalb feministische Aktivist*innen, die Menschen zu mobilisieren. Am 3. Oktober kam es dann zu landesweiten Protesten, an denen alle Schwarz trugen, um ihre Trauer auszudrücken. Es beteiligten sich laut Polizeiangaben rund 100.000 Bürger*innen an den Demonstrationen. Das polnische Parlament knickte ein und das verschärfte Gesetz wurde nicht verwirklicht. Widerstand und Protest lohnen sich – der Uterus lässt grüßen!

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