Flüchtling. Und queer.

1 Nov

Irak. Ein junger Mann küsst einen anderen Mann im Auto, doch die beiden werden von fundamental-islamischen Männern dabei erwischt, verprügelt und bedroht. Der junge Mann kann die Gruppe überzeugen, dass es nur Spaß gewesen sei und sich befreien. Ob sein Bekannter noch am Leben ist, weiß er nicht. Nach dieser Erfahrung beschließt der Mann zu fliehen. Weg aus dem Irak, weg von Gewalt, Angst und Verfolgung aufgrund seiner sexuellen Orientierung. Er wird zum Flüchtling und sucht um Asyl in Österreich an. (siehe: „Die Situation von Asylwerber*innen mit LGBTI-Hintergrund im österreichischen Asylwesen“, Bernhard Damoser, Interview B2: Z 3-47)

Das Schicksal des jungen Mannes aus dem Irak teilen viele Mitglieder der LGBTIQ-Community, die in ihren Heimatländern erheblicher Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt sind. Die genaue Bedeutung des Begriffes LGBTIQ ist wohl für viele nicht nur ein Zungenbrecher sondern ein Rätsel in sich. Entschlüsselt steht das internationale Akronym für homo- und bisexuelle sowie Transgender und Intersex-Personen sowie Queere (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex, Queer). Als Teil des Open Mind Festivals 2016 steht eine besondere Minderheit innerhalb dieser Gruppe im Mittelpunkt: die LGBTIQ Refugees. Ob wegen einer akut lebensbedrohlichen Situation oder durch das Wissen, die eigentliche Identität im Heimatland nie offen leben zu können, diese Menschen sahen sich gezwungen, ihren Umständen zu entfliehen und ihr Glück fern von allem Vertrauten zu suchen. Das verlangt nicht nur unglaubliche Courage, sondern auch hoffnungsvolles Vertrauen in ein fehlerhaftes Asylsystem.

Obwohl es in Österreich und vielen westlichen Staaten keine strafrechtliche Verfolgung auf Basis der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität gibt, droht bei offen-gelebter Homosexualität in über 70 Ländern immer noch die Verfolgung oder die Todesstrafe. Bei der Flucht in ein europäisches Land kann man dies laut der Genfer Flüchtlingskonvention jedoch nur als Asylgrund angeben, wenn die strafrechtlichen Maßnahmen auch durchgeführt und nicht „nur“ angedroht werden. Demnach offenbaren viele Asylbewerber*innen den wahren Grund ihrer Flucht oft nicht und fühlen sich im Aufnahmeland durch Diskriminierung und Gewalt ebenfalls oft gezwungen, ihre wahre Identität zu verheimlichen.

Das diesjährigen Open Mind Festivals beleuchtet die Thematik „Queer und auf der Flucht“ am 11. November in Form eines ausgewählten Filmprogrammes mit einer Podiumsdiskussion von Expert*innen. Am darauf folgenden Tag haben die Teilnehmer*innen im Rahmen eines vertiefenden Workshopangebots inkl. Vorträgen die Möglichkeit, die Lebenswelten der Flüchtlinge näher kennenzulernen. Einer der Referent*innen ist Gorji Marzban, der bereits beim letzten Open Mind Festival mit der Performance „Trans Gender Moves“ begeisterte.

 

Foto: © Julie Missbutterflies (creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)

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