Bis hierher lief’s noch ganz gut

8 Sep

… aber wann ist genug genug? Das Open Mind Festival kreist heuer um die Themen des Verschwindens und Entkommens. Wir scharren in den Startlöchern und verraten an dieser Stelle erste Highlights.

Das Open Mind Festival wird sich 2016 Orten der Erleuchtung wie des Zerfalls widmen, der Emanzipation und Flucht nach vorn wie dem Eskapismus als Ausweg vor der Unerträglichkeit des Seins. „AUSweg. Das wesentliche Nein.“ als Aufforderung für einen Aufbruch ins Ungewisse.

Die originär für das Festival erarbeitete Produktion des aktionstheater ensemble „Immersion. Wir verschwinden.“, in der Regie von Martin Gruber, beschäftigt sich ebenfalls intensiv mit dem big escape, der großen Flucht. Nur wohin! Ins Theater, in eine andere Stadt, in ein anderes Land, auf eine einsame Insel, auf eine andere Erde, in eine andere Welt, in ein virtuelles Leben. Anker lichten und los. Und dann gerät alles aus den Fugen und der Abend zur betörend narzisstischen Apokalypse.
Einmal mehr macht sich die zwischen Dornbirn und Wien verortete Theaterformation über die  Schlachtfelder des Lebens her und liefert damit auch mehr oder minder Überlebensstrategien, die bereits von vornherein zum Scheitern verurteilt sind: Ausbruchsversuche, die sich ob des gesellschaftlichen status quo zwischen Heim und Heimatlosigkeit, Solidarität und Solitär, Ich-sein und Anders-sein regelrecht selbst zementieren. Off-Theater, das Maßstäbe setzt.

Weitere Highlights des Festivals sind u. a. der beeindruckende Interviewfilm „My Talk With Florence“ von Paul Poet, live vertont von Alec Empire.
Der Film ist eine biografische Dokumentation über Florence Burnier-Bauer, die aus ihrem dramatischen Leben Anfang der 1980er Jahre in Otto Mühls Kommune Friedrichshof im Burgenland erzählt. Dort erwarten sie anstatt geistiger und körperlicher Befreiung autoritäre faschistoide Strukturen, Missbrauch, Demütigung und Gewalt. Filmisch ganz in der Tradition des Cinéma Verité präsentiert Poet mit schonungslosem Blick und auf puristische Weise die Geschichte einer Emanzipation und Florences hart erkämpften Wegs, Nein zu sagen. Als Mischung aus Filmscreening und Live-Konzert untermalt Berlins Meister der intelligenten Electronica, Beat-Aktivist und Punkfloor-Pionier Alec Empire (Atari Teenage Riot) im Stil seiner frühen Soloklassiker diese Kinoarbeit von Paul Poet, einem der führenden Regisseure für provokante Politfilme im deutschsprachigen Raum.

Ob es eine Möglichkeit gibt, das vorherrschende ökonomische System zu verneinen bzw. zu überwinden fragt das Open Mind Festival in einer Montagsrunde, gemeinsam mit der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen. „Das Ende des Kapitalismus?!“ wird der Shootingstar der europäischen Philosophieszene, Srećko Horvat, gemeinsam mit einem der streitbarsten linken Publizisten der Gegenwart, Robert Misik, diskutieren.

Diese und alle weiteren Programmpunkte des Open Mind Festivals werden im Detail bis Anfang Oktober online veröffentlicht. Laufende Updates hier und unter www.openmindfestival.at

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