Mind? Open!

8 Dez

Festivals haben etwas mit Weihnachten gemein: Es dauert eine gefühlte Ewigkeit für die ungeduldig Wartenden, bis es soweit ist. Und dann, hurra, endlich erreicht, tritt das langersehnte Festival trotzdem ungefähr genauso unerwartet ein wie das alljährliche Weihnachtsfest. Nachdem die kleine freudige Kollision mit dem Veranstaltungsauftakt verdaut ist, gilt es zu genießen. Und zwar wirklich und in vollen Zügen, denn Achtung, die Zeit zerfließt förmlich zwischen den Fingern. Gerade wenn man sich im höchsten Festival-Flow-Glück wähnt, ist es bereits wieder Vergangenheit. Nein! Was dann noch bleibt, sind die Erinnerungen an eine sehr kurzweilige Zeit, angefüllt mit tollem Programm und großartigen Veranstaltungen.

Das ultimative Festival-Erlebnis lässt sich am besten damit erzielen, so vielen Veranstaltungen wie möglich beizuwohnen. Diese Überlegung kam mir bereits an Tag 2 oder 3 von „Ich ist eine Andere“. Im Zuge meiner Bloggerinnen-Tätigkeit für die 2015er Ausgabe des Open Mind Festivals befand ich mich zusätzlich in der glücklichen Situation, mir so ziemlich alles ansehen zu können, nach was mir der Sinn stand. Ein Blick in den Veranstaltungskalender sorgte rasch für eine klare Linie: Soviel wie möglich. Das hat geklappt. Meistens. Nicht immer. Bedauerlicherweise hat so ein Tag nämlich am Ende dann doch nur 24 Stunden.

„Ich ist eine Andere“ ist eigentlich eine interdisziplinäre Veranstaltungsreihe, auch dieser Gedanke kam mir im Verlauf der besagten 11 Tage. Die Abende waren so bunt wie die Teilnehmer*innen und sämtliche Interessens-Gelüste wurden bedient. Von Performances, Theaterdarbietungen, Vorträgen, Kinoabend, Vernissage und Konzerten war alles vorhanden und mit den unterschiedlichsten Leuten auf der Bühne, dem Podium, der Kinoleinwand oder vor Fotoserien besetzt. Das ist ziemlich toll und tatsächlich auch sehr open-mind-mässig. Favorit*innen gab es vermutlich meinerseits genau deshalb keine. Danach befragt, hätte ich am Ende eines jeden Tages wahrscheinlich immer genau die gerade eben besuchte Veranstaltung genannt. Das birgt ein durchaus ironisches Moment, denn vermutlich hätte ich ohne Bloggerinnen-Möglichkeiten nicht einmal halb so viele Aufführungen/Vorführungen/Vorträge wahrgenommen, da mir persönlich der entsprechende Bezug fehlte. Über einige Themen hatte ich noch nie wirklich konkret nachgedacht. Eigentlich ein Fehler, denn gerade diese Veranstaltungen entpuppten sich als äußerst bereichernd. Sie ermöglichten ein Hinauslinsen über den gewohnten Tellerrand und eine Ausdehnung des eigenen Horizonts. Ich glaube, seither hat sich die Welt für mich ein kleines bisschen verändert. Sie ist anders und bunter geworden und sollte unbedingt mit mehr Toleranz und Empathie gefüllt werden.

„An open mind leaves a chance for someone to drop a worthwhile thought in it.“ (Mark Twain)

Nach dem finalen Konzert bin ich übrigens auch in der glücklichen Lage, meine Behauptungen von vorhin im Selbstversuch bestätigt zu wissen. Das ultimative Festival-Erlebnis? Check.
„Ich ist eine Andere“ und freue mich schon darauf, meinen zukünftigen Ichs irgendwann auf dieser Reise durch das Leben zu begegnen.

 

Foto © zornelia

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