„Don’t Robert me…“

20 Nov

An was denkst du, liebe*r Blog-Leser*in, zuerst bei Indien? Ich gerne an Bollywood-Filme, die mir zu lange und zu kitschig sind, an farbenfrohe Kleidung, viele Gewürze und Kühe auf den Straßen. Vielleicht auch noch an Menschen, die im Ganges baden oder an die Yoga-Reise nach Indien, die mir meine Yoga-Lehrerin immer wieder empfiehlt und die ziemlich paradiesisch anmutet. An was denken Inder*innen vice versa wohl bei Österreich?

Nayana Bhat ist ein Verbindungsglied zwischen beiden Kulturen. Als indische Tänzerin und Choreographin kam die ehemalige Journalistin und immer noch leidenschaftliche Schreiberin vor einigen Jahren nach Salzburg und lebt seitdem hier. Eine der Eigenarten, die sie hier erlebte: dass sie in der österreichischen Kultur als Inderin anders wahrgenommen wird; sie sticht hervor und fühlt sich laut eigenen Angaben bisweilen ein bisschen „alien-isiert“. Immer wieder werden Bhat gerne, großzügig und ungefragt irgendwelche Vorstellungen übergestülpt, ohne sie tatsächlich zu kennen. Das warf Fragen auf: Warum benötigen wir kulturelle Stereotype und Einteilungen und wodurch werden wir zu dem, was wir sind?

Nayana Bhat konzipierte ein Stück zu diesem Thema und schloss sich dazu mit dem österreichischen Lichtdesigner Robert Herbe zusammen; das kreative Ergebnis ist ihre Performance „A Duet. Ein Solo“ und der Versuch, genau diese essentiellen Dinge unseres Menschseins zu ergründen. Die beiden arbeiteten 1,5 Jahre an ihrem Projekt und es ist ein ziemliches Glück, dass die ursprünglich von Bhat angedachte Performance-Partnerin absagte und Robert Herbe zum Zug kam.

Ein unschlagbares Team begibt sich auf performative und visuelle Identitätsergründung.

Es ist nicht zu übersehen, dass die beiden wunderbar harmonieren. Die gebürtige Inderin dient für „A Duet. Ein Solo“ als offensichtliche Projektionsfläche und das Publikum wird zum Mitkommen eingeladen. „Robert“ ist in der Performance allgegenwärtig, ohne tatsächlich immer der reale Robert Herbe zu sein, der die (meisten) Licht-Installationen von seinem Pult aus steuert und dem Publikum die „Lee 126“ näher bringt. (Übrigens ein sehr hübsches Licht, diese „126“). Vielmehr entstehen zwei parallele Welten, in der Vorurteile klug veranschaulicht in den Raum geworfen werden. Sie zeigen, was ist und was sein könnte, was sein könnte und was ist oder auch was ist und ist. So genau kann das ab einem gewissen Zeitpunkt niemand mehr differenzieren und auch die Tänzerin und das Publikum werden kurzerhand „ver-robert-et“.
Wer jetzt auf die offensichtlich österreichischen und indischen Einflüsse wartet, muss allerdings schon sehr genau hinsehen. „A Duet. Ein Solo“ kommt nämlich erfreulicherweise ohne offensichtliche, plakative und einem-ins-Gesicht-springende Klischees aus und agiert viel lieber subtil und inspirierend.

Am Ende wechseln die Perspektiven und ein voller Inbrunst dargebotenes „Don’t Robert me…“ tönt von der Bühne Richtung Publikum. Der Lichtdesigner als Performer, die Performerin als Lichtdesignerin. Und irgendwo dazwischen das Publikum, das sich sichtlich begeistert zeigt und enthusiastisch Beifall spendet.

 

Foto © Arne Müseler

2 Responses to “„Don’t Robert me…“”

  1. Brigitte Scott 24. November 2015 at 20:46 #

    Sehr schöner Beitrag. Umso mehr tut es mir leid, dass ich diese Performance nicht live miterleben konnte.

    Wenn die beiden 1,5 Jahre daran gefeilt haben, wäre es doch jammerschade, es bei dieser einzigen Aufführung bleiben zu lassen.

    Ich hoffe auf eine Neuaufnahme und dass ich dann dabei sein darf.

    Liebe Grüße
    brigitte scott

    • zornelia 25. November 2015 at 21:05 #

      Liebe Brigitte, sehen wir auch so :O) Wiederaufnahme kommt bestimmt, auch wenn das Datum noch nicht feststeht. Am Besten RSS Feed für nayanabhat.com anlegen, dann verpasst du sicher keinen Termin. LG, das Open Mind Festival

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